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Besuch im Bundestag
Mittwoch, 1. Juli 2009

Am 1. Juli fand der Besuch von mehreren Mitgliedern der Initaitive "Weg der Vernunft" im deutschen Bundestag statt. Während des zurückliegenden zehnjährigen Jubiläums der Initiative gegen Drogenmissbrauch und Gewalt im Landkreis Havelland lud die Bundestagsabgeordnete Angelika Krüger-Leißner in den Bundestag ein und stellte ein Gespräch mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing Mdb in Aussicht.

Ich beteiligte mich an dem Besuch als Aktiver der Barfuß-Initiative Berlin-Brandenburg und wollte gerne an dem Gespräch mit der Drogenbeauftragten teilnehmen. Am Vortag telefonierte ich mit dem Büro der Bundestagsabgeordneten und informierte die Angestellte über meine Absicht, an dem Besuch barfüßig teilzunehmen. Ich erhielt die Auskunft, dass ich einen Rückruf erhalten würde, sollte meine Barfüßigkeit für die Abgeordnete ein Problem darstellen. Einen solchen Anruf erhielt ich dann nicht. Weiterhin wurde von Seiten des Büros jedoch der Hinweis auf die Sicherheitsorgane geäußert, die die "Würde des Hauses" zu wahren hätten. Von diesen könnte ich zum Anziehen von Schuhen aufgefordert werden und ich sagte, ich würde diese dabei haben.

Die Gruppe betrat das Paul-Löbe-Haus von Westen und musste sich den Sicherheitskontrollen unterziehen. Ich wurde jedoch aufgrund des Fehlens von Schuhen nicht eingelassen mit der Begründung, Barfüßigkeit widerspräche der "Würde des Hauses". Das von den Museen auf der Berliner Museumsinsel bekannte Vorgehen wiederholte sich: junge Leute in T-Shirt, Badehose und Badeschlappen entsprechen der "Würde des Hauses" und werden eingelassen. Das Fehlen eines rudimentären Schuhfragments in Form eines verschmutzten Zentimeters Weichgummi-schaum, der an zwei Plasikkriemen von nackten Füßen über den Boden geschleift wird (Flip-Flop), rechtfertigt jedoch dazu, den Besucher am Betreten des Hauses zu hindern.

Nachdem ich dem Sicherheitsdienst sagte, mein barfüßiger Besuch sei mit dem Büro der Bundestagsabgeordneten abgesprochen, wurde dahin telefoniert. Anschließend erhielt ich die Auskunft, das Büro hätte mitgeteilt, ich würde Schuhe dabeihaben, diese solle ich anziehen und während des gesamten Besuchs im Bundestag anbehalten. Mein Anliegen als Repräsentant der Barfuß-Initiative, die Barfüßigkeit als Hinweis auf unsere Arbeit zu demonstrieren, war dem Büro der Abgeordneten die Mühe eines Gesprächs mit der Bundestagsverwaltung nicht Wert, in dem vorab die Hintergründe meiner Barfüßigkeit erklärt und um Beachtung der besonderen Umstände gebeten worden wäre.

Ich empfinde darüber hinaus die Verhinderung meines Besuchs in der mir eigenen Art mich zu kleiden als Herabwürdigung meiner Person. In meinen Augen handelt es sich hierbei um die Mißachtung des mir als Staatsbürger im Artikel 2 Absatz 1 des Grundgesetzes verbrieften Grundrechts auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. Das Argument "Würde des Hauses" hat seinen Anspruch auf Einhaltung einer Kleiderordnung verloren. Angesichts der real praktizierten Kleidungewohnheiten der am 1. Juli 2009 im Paul-Löbe-Haus tätigen Frauen in Form von ärmellosen Kleidern, kurzen Röcken und Flip-Flops, die nackte Arme, nackte Beine und zu 90% nackte Füße zeigen, gilt ein Verbot des Besuchs mit zu 100% nackten Füßen als Anachronismus. Ich werde mich diesbezüglich mit dem Büro der Bundestagsabgeordneten und der Bundestagsverwaltung in Verbindung setzen.

Nachdem ich im Sicherheitsbereich des Eingang also die Schuhe anzog, worauf die Gruppe so lange wartete, folgte das Besuchsprogramm mit Mittagessen, Besichtigung des Reichstags-gbäudes und dem einstündigen Gespräch mit Sabine Bätzing, die einen lockeren, lebendigen und engagierten Eindruck machte. Sie berichtete, dass sie als Beauftragte des Bundes im föderalen System Deutschlands von der Zuarbeit und der Bereitwilligkeit zur Zusammenarbeit von Seiten der Länder und Kommunen abhängig ist und einen eingeschränkten Aktionsradius hat. Einzelne Mitglieder stellen die Arbeit der Initiative "Weg der Vernunft" vor und berichteten von Erfahrungen und Problemen.

Johannes Kathol